Ich nehme einen hässlichen neuen Trend wahr. Es geht um Eltern, die Kolleg*innen an unseren Schulen oder anderen Bildungsinstitutionen verleumden.
In den letzten Jahren gab es drei- bis viermal pro Jahr eine Beratungsanfrage zur Verleumdung durch Eltern, zu Anzeigen bei der Polizei oder zu Beschwerden bei der Schulaufsicht. Die Ausgangslage war fast immer identisch: Keine bis größere Verhaltensauffälligkeiten einers Schülerin in Verbindung mit schwieriger Kooperation mit den Eltern, die Situation spitzt sich zu, Eltern sehen die Schuld nur bei der Schule und stecken mehr Energie in eine Anzeige oder Beschwerde als in Zusammenarbeit mit Schule/Institutionen.
Alle Fälle, mit denen ich befasst war, gingen ohne Konsequenzen für die betroffenen Kolleginnen aus. Trotzdem sind Kolleginnen mehr oder weniger geschockt, wenn sie - oft nach vielen Jahren ohne dienstrechtliche Schwierigkeiten - mit einer Anzeige/Beschwerde konfrontiert werden. Für viele ist das sehr viel zusätzlicher Druck im ohnehin schon anstrengenden Schulalltag.
Aber etwas hat sich geändert: Mittlerweile bekomme ich zu diesen Themen monatlich eine Beratungsanfrage. Über Gründe und Ursachen ließen sich Buchbände füllen.
Telegrammstilartig zusammengefasst erkläre ich mir das so: Viele Eltern sind durch die gesellschaftspolitische Situation und den oft berechtigten Eindruck, der Staat spare immer mehr an notwendiger Daseinsfürsorge, enttäuscht. Einige lassen sich auch durch manipulative Medien stärker beeinflussen und Schule/Institution erhält eine Sündenbock-Funktion. Dazu kommt für manche der durch extensive Nutzung der „sozialen“ Medien enthemmt-aggressive Umgang mit Mitmenschen. Kolleg*innen werden dann schlimmstenfalls bekämpft, ohne dass das noch irgendetwas mit einem sinnvollen Einsatz für das eigene Kind zu tun hätte.
Oft unterstützen Dienstvorgesetzte die Kolleginnen. Aber auch dann - und erst recht, wenn nicht - macht es für betroffene Kolleginnen einen großen Unterschied, wenn sie sich an den Rechtsschutz der GEW wenden können: Sie bekommen schnelle und persönliche Beratung und je nach Situation auch professionelle juristische Unterstützung, die durch Gewerkschaftsbeiträge aller Mitglieder bezahlt wird.
Ich habe die Hoffnung, dass dieser belastende Trend gestoppt und wieder eingedämmt werden kann. Dabei wird die GEW bildungspolitisch Einfluss nehmen, der Rechtsschutz unterstützend wirken, aber wichtig ist auch die Solidarität mit zu Unrecht beschuldigten und verleumdeten Kolleg*innen.
Rüdiger Wüllner, Rechtsschutzobmann der GEW Duisburg

