Kleinere Hürden für FH-Promovierende

Neuregelung: Promotion an Fachhochschulen

„Wichtig ist ein Promotionsrecht für Personen und nicht für Institutionen. Wer einen guten Masterabschluss hat, muss auch die Chance zur Promotion haben – egal, ob sie oder er an einer Fachhochschule oder an einer Universität studiert hat“, stellte NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze fest. Doch ein eigenständiges Promotionsrecht für Fachhochschulen fehlt weiterhin.
Kleinere Hürden für FH-Promovierende

Foto:ZWEISAM/photocase.de

Die Hürden für Absolvent*innen von Fachhochschulen (FH) waren bisher faktisch höher als für Absolvent*innen von Universitäten. Mit der Gesetzesnovelle wurde deshalb § 67a in das Hochschulgesetz aufgenommen. Damit werden kooperative Promotionen gesetzlich klarer gefasst. FH-Professor*innen können ebenso wie ihre Kolleg*innen an den Universitäten in Promotionsverfahren Prüfungen abnehmen oder gutachterlich tätig werden. Die Promovierenden können sich als Doktorand*innen an den Fachhochschulen einschreiben, an denen die Promotion betreut wird.

Graduierteninstitut wird Pflicht

Im Hochschulgesetz ist die Gründung eines Graduierteninstituts an den Fachhochschulen jetzt festgeschrieben. Das Institut war von der Landesrektorenkonferenz der Fachhochschulen während des Gesetzgebungsprozesses in der sogenannten Bonner Erklärung in die Diskussion eingebracht worden. Das darin geforderte eigenständige Promotionsrecht des Graduierteninstituts sieht zwar das Hochschulgesetz weiterhin nicht vor, aber das Institut erhält die Aufgabe, Fachhochschulen, Universitäten und Promovierende zu vernetzen. Gesetzlich geregelt ist zudem, dass das Institut regelmäßig Berichte zum Stand der kooperativen Promotionen an das zuständige Wissenschaftsministerium weiterreicht. Für die Universitäten ergibt sich die Verpflichtung, mit diesem Graduierteninstitut zusammenzuarbeiten.

Evaluation in drei Jahren

Ziel der Gesetzesänderung ist die Förderung und der weitere Ausbau von kooperativen Promotionen. Im Hochschulgesetz ist ausdrücklich festgelegt, dass drei Jahre nach Gründung des Graduierteninstituts evaluiert werden wird, ob das Ziel in der geplanten Form erreicht wurde. Parallel dazu soll untersucht werden, ob Fachhochschulabsolvent*innen, die promovieren möchten, vergleichbare Möglichkeiten haben wie ihre Kommiliton*innen an Universitäten. „Je nach dem Ergebnis der Evaluierung wird der Gesetzgeber sodann weitere Maßnahmen prüfen und erwägen, ob die allgemeine wissenschaftspolitische Entwicklung es nahelegt, das Instrumentarium zur Förderung der Promotion qualifizierter Absolventinnen und Absolventen der Fachhochschulen zu ergänzen“, heißt es abschließend in der Gesetzesbegründung.

Finanzierung noch offen

Bisher nicht geklärt sind sämtliche Fragen zur Finanzierung des Graduierteninstituts der Fachhochschulen. Insbesondere aus Gewerkschaftssicht stellt sich zudem die Frage, warum der Gesetzgeber bei den Beschreibungen der Aufgaben von wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen an Universitäten und Fachhochschulen an den bisherigen Formulierungen festgehalten hat. Damit blendet er die Auswirkungen der Ausweitung von kooperativen Kooperationen auf die Beschäftigten der Fachhochschulen weiterhin aus. Der Wissenschaftsrat hatte bereits 2010 in den „Empfehlungen zur Rolle der Fachhochschulen im Hochschulsystem“ festgestellt, dass „die exklusive Ausstattung der Universitäten mit dem Promotionsrecht eine Kooperationspflicht impliziert“. Der Gesetzgeber hat mit der Novellierung nicht das Privileg der Universitäten infrage gestellt. Aber durch die gleichberechtigte Einbindung von FH-Professor*innen in das Promotionsverfahren und durch die Ankündigung von weiteren Maßnahmen – falls Universitäten oder Teile derselben nicht kooperieren – besteht tatsächlich die Chance, dass die Anzahl der kooperativen Promotionen wächst und die Hürden für FH-Absolvent*innen weiter kleiner werden.

Bernadette Stolle // In: Gewerkschaft & Wissenschaft 2-2014