Kulturelle und familiäre Vielfalt in der Kita

Städtische Kita und Familienzentrum Berg Fidel in Münster stellt Konzept vor

Vielfalt wird in der Städtischen Kita und Familienzentrum Berg Fidel in Münster großgeschrieben: Mehr als 160 Kinder aus 19 Nationen mit 30 verschiedenen Sprachen besuchen die Einrichtung. Deren Leiterin Sigrid Liebe erklärt das besondere Konzept der Kita und den Umgang mit unterschiedlichen Biografien der Kinder.
Kulturelle und familiäre Vielfalt in der Kita

Foto: Markus Spiske / unsplash

Wir verstehen uns als Bildungseinrichtung und sind der Bildungsgerechtigkeit verpflichtet. Als Voraussetzung für eine gute Bildungsarbeit sehen wir eine gute Beziehungsarbeit. Am Anfang stehen immer der Kontakt und der Beziehungsaufbau zu den Eltern. Wenn uns die Eltern vertrauen, werden sich auch die Kinder mit und bei uns wohlfühlen.

Elternarbeit – ein zentraler Baustein

Wir legen in unserer Kita Wert auf eine respektvolle und interessierte Elternarbeit, die von Beginn an eine Basis für gegenseitige Toleranz und Akzeptanz legt. Dazu zählen ein Aufnahmegespräch mit der Leitung und Hausbesuche durch die Erzieher*innen. Vor Ort besprechen wir die bisherigen Erfahrungen der Kinder und der Familien, die in einem Aufnahmebogen dokumentiert werden. Das hilft uns später beim empathischen Umgang mit den Kindern. So gibt es häufig neben der Herkunftssprache eine Familiensprache, die sich auch in deutschsprachigen Familien von der uns bekannten deutschen Sprache unterscheidet. Besonders Familien aus anderen Ländern erleben unsere Hausbesuche als wertschätzend und freuen sich, als Gastgeber auftreten zu können.

Aktionen für kulturelle und familiäre Vielfalt

  • Im Eingangsbereich hängt ein Willkommensplakat, das die Familien in allen Kitasprachen willkommen heißt. Jeden Morgen können Eltern hier bei Kaffee, Tee oder Wasser miteinander ins Gespräch kommen. Einmal pro Woche gibt es hier zusätzlich niedrigschwellige Beratungsangebote.
  • Die Herkunftssprache wird von uns wertgeschätzt. In Gesprächen unterstützen wir die Eltern, diese zu Hause mit ihren Kindern zu sprechen.
  • Aus unserem großen Fundus anderssprachiger Bücher lesen Eltern den Kindern in der Kita Bilderbücher in ihrer Familiensprache vor.
  • In den Gruppenräumen finden sich verschiedene Materialien, mit denen die Kinder den Umgang mit der eigenen Kultur und anderen Kulturen einüben können. Sie zeigen das Schöne der Verschiedenartigkeit. Geschlechts- oder gesellschaftsstereotype Darstellungen bei Materialien oder Spielen hinterfragen wir mit den Kindern und nutzen sie als Gesprächsanlässe, um Toleranz und Interesse an vielfältigen Ausdrucksformen und Möglichkeiten zu unterstützen.
  • Täglich wird ein gesundes Frühstücksbuffet in der Kita angeboten, orientiert an den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Jede erste Woche im Monat bieten wir ein interkulturelles Frühstück in unserem Frühstückscafé an, das als „Länderfrühstück“ mit Unterstützung der Eltern umgesetzt wird. In dieser Woche dürfen die Eltern gemeinsam mit ihren Kindern frühstücken. Die Frühstücksmaterialen werden hierbei auf einem Foto mit Bildunterschrift, auch in der jeweiligen Sprache, gezeigt.
  • Bei der täglichen pädagogischen Arbeit werden Elemente aus den Sprachen der Kinder und aus anderen Kulturen aufgenommen, zum Beispiel Zählen oder Begrüßungen in unterschiedlichen Sprachen oder die Vermittlung von Tänzen und Liedern verschiedener Kulturkreise.
  • Es werden Projekte in der Kitaarbeit umgesetzt, bei denen Eltern und Kinder ihre eigene Kultur vorstellen können, zum Beispiel als Friedensprojekt oder bei den Münsteraner Wochen gegen Rassismus.
  • Bei der Fest- und Feiergestaltung werden Einflüsse verschiedener Kulturen mit Elternunterstützung einbezogen, zum Beispiel als internationales Buffet beim Sommerfest.
  • Feste und Elternnachmittage werden so gelegt, dass der Termin nicht mit einem Feiertag anderer Kulturen kollidiert. Dafür hängt in jeder Gruppe ein internationaler Jahreskalender.
  • Bei Bedarf bieten wir den Eltern für die Elterngespräche eine*n Dolmetscher*in oder Kulturmittler*in an.

Eine offene und tolerante Haltung im Team ist Voraussetzung für diese Arbeit und wird durch regelmäßige Fortbildungen der Mitarbeiter*innen, Beobachtungen, Dokumentationen und Reflexionen im Team unterstützt.

Sigrid Liebe, Leiterin der Städtischen Kita und Familienzentrum Berg Fidel in Münster